Wer ist Papa Legba?

Voodoo ist eine dezentrale Religion. Die Voodoo-Religionen teilen einige Gemeinsamkeiten. Wir haben einen Schöpfergott namens Papa Bondye, der für uns Menschen nicht erreichbar ist, und der als Vermittler zwischen sich und den Menschen die Lwa eingesetzt hat. Das sind Spirits, die auf Papa Bondyes Energiequelle zugreifen können und die daher magisch extrem fähig sind.

 

Die Lwa unterscheiden sich von Region zu Region, von Haus zu Haus. Das hat den Vorteil, dass die Spirits nur eine begrenzte Anzahl von Kindern haben, um die sie sich kümmern müssen, und daher für jeden einzelnen von uns viel Zeit und Energie zur Verfügung haben. Das und die Tatsache, dass die Spirits sich auf einzelne Gebiete spezialisiert haben, macht Voodoo zu der Religion mit dem stärksten verknüpften Magiesystem weltweit. Gleichzeitig ist es eine der undurchsichtigsten Religionen und für Menschen mit einem westlichen Mindset, die an ein einzelnes überregional gültiges Schriftstück und eine begrenzte Anzahl eindeutig identifizierbarer Wesenheiten (zB die Erzengel) gewöhnt sind, ist einiges an Umdenken nötig, um sie zu begreifen.

 

Jeder, der magisch arbeiten möchte, braucht einen Legba. Papa Bondye hat die Welt als zwei Seiten eines Gefäßes erschaffen: Unsere physische Welt und die spirituelle Welt. Die Legbas sind eine vergleichsweise kleine Familie von Spirits, die die Tore zwischen unserer Welt und der Welt der Lwa öffnen. Papa Legba entscheidet, wer mit den Lwa arbeiten darf, und wer nicht. Er bringt uns die anderen Spirits, damit wir mit ihnen arbeiten können. Wer Kontakt zu Papa Legba hat, hat die Garantie, dass ihm die Lwa gebracht werden, die er ruft, und nicht irgendwelche Astralwesen, die sich als jemand ganz anderes ausgeben, als sie sind.

 

Mein Papa Legba ist ein sehr alter Legba, etwa 150.000 Jahre. Er ist sehr liebevoll, verständnisvoll und ruhig. Stellt ihn euch wie einen netten alten Herren vor, der unendlich weise ist, sich alle Mühe gibt, andere zu verstehen, und lieber Fragen stellt, als Feststellungen zu machen. Wenn er sich dazu entschließt, bei einer Sache magisch nachzuhelfen, fährt die Eisenbahn drüber. Er setzt Magie jedoch nur dann ein, wenn er es für nötig hält, und das kommt eher selten vor. Er ist ein sehr gechillter Gentleman. Mein Papa Legba begleitet mich schon seit mehreren Inkarnationen und wir haben eine entsprechend tiefe Bindung zueinander. In dieser Inkarnation habe ich den Kontakt ganz klassisch herstellen lassen, indem ich einen Bokor gebeten habe, seine Lwa nachsehen zu lassen und mir den richtigen zu bringen. Diese Vorgehensweise ist wichtig, um sicherzustellen, dass man tatsächlich mit den Lwa in Kontakt tritt.

 

Papa Legba ist der Hüter der Wegkreuzungen. Bezogen auf das Kartenlegen bedeutet das, dass er Situationen in ihrer Gesamtheit überblickt, alle Eventualitäten und alle möglichen Zukünfte sieht und daher helfen kann, sich darüber im Klaren zu werden, welchen Weg man gehen möchte. Er ist unschlagbar, wenn man eine Entscheidungshilfe braucht, denn er kann einem die Konsequenzen sowie die Vor- und Nachteile eines jeden möglichen Weges aufzeigen. Er achtet den freien Willen eines jeden Menschen, fragt immer nach, was eine Person möchte, und hilft, die bestmögliche der vorhandenen Optionen auszuwählen. Er nimmt jedoch niemandem eine Entscheidung aus der Hand und das letzte Wort hat immer der Fragesteller.

 

Falls man als jemand, der nicht in die Tradition geboren wurde, mit dem Gedanken spielt, selbst aktiv mit den Lwa zu arbeiten, braucht man Papa Legba ebenfalls. Er sieht nach, ob eine Person frei ist - sprich, ob ein anderer Gott bereits Anspruch auf diese Person hat, was meiner Erfahrung nach auf zirka ein Viertel bis ein Drittel der Menschen zutrifft, die sich für Magie interessieren - und falls diese Person noch frei ist, prüft er die Person und öffnet nach erfolgreicher Prüfung die Tore. Falls bereits eine Wesenheit aus einem anderen Pantheon einen Anspruch hat, enthüllen wir, wer dieses Wesen ist, sofern uns die entsprechende Wesenheit dies erlaubt.